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30. Aug 2010 - 17:59 Uhr

Deutschlandwetter im August 2010: Sehr Sonnenscheinarm und so nass wie nie zuvor

Tiefdruckgebiete, die in rascher Folge über Mitteleuropa
hinweg zogen, ließen im August 2010 nur wenig
Sonnenschein zu und brachten für Deutschland so viel Niederschläge
wie nie zuvor in einem August seit Beginn regelmäßiger
Aufzeichnungen 1881. Teilweise entluden sich schwere Gewitter mit
gewaltigen Starkregenfällen. Besonders betroffen waren anfangs der
Osten und am Ende der Nordwesten Deutschlands. Vereinzelt wurden die
Gewitter von starken Sturmböen, Fallwinden oder von Tornados
begleitet. Die Temperaturen wichen dagegen kaum vom langjährigen
Mittel ab. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten
Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2 100 Messstationen.

Durchschnittliche Temperaturen

Im August 2010 registrierte der DWD mit durchschnittlich 16,7 Grad
Celsius (°C) in Deutschland nur eine geringe Abweichung vom
langjährigen Mittel von 16,5°C. Die Temperaturen befanden sich zwar
auf einem deutlich niedrigeren Niveau als im Vormonat, doch
erreichten sie an manchen Tagen durchaus hochsommerliche Werte. In
Bendorf bei Koblenz wurde am 21. mit 32,5°C der höchste Wert
gemessen. Nur einen Tag zuvor war in Deutschneudorf im Erzgebirge
mit 3,4°C die deutschlandweit kälteste Augustnacht aufgetreten.

Rekordniederschläge: Extrem nasser August

Im bundesweiten Durchschnitt brachte der August 2010 rund 157 Liter
Regen pro Quadratmeter (l/m²). Das ist mehr als doppelt so viel wie
das vieljährige Mittel (77 l/m²). Damit überbot er den mit 134 l/m²
bisher nassesten August des Jahres 1960 und setzte sich mit großem
Abstand an die Spitze der Reihe seit 1881. An den meisten Stationen
wurden alte Rekorde gebrochen, oft mit der drei- bis vierfachen,
vereinzelt sogar fünffachen Menge des Klimamittelwertes. Immer
wieder zogen umfangreiche Niederschlagsgebiete über Deutschland
hinweg. Hohe Labilität der Luftmassen führte daneben zu heftigen
Gewittern oder Starkregenfällen, beispielsweise im Osten Sachsens.
So meldete am 7. Bertsdorf-Hörnitz einen Tagesniederschlag von 101
l/m². In der Folge entstand ein schweres Hochwasser der Lausitzer
Neiße, mit teilweise verheerenden Schäden in zahlreichen Städten
Sachsens und Brandenburgs. Nahezu monsunartige Wassermassen
prasselten auch am 26. in einem Streifen von der holländischen
Grenze bis zur mittleren Weser nieder - verbreitet mit mehr als 100
l/m². Innerhalb von 24 Stunden fielen hier in manchen Orten bis zum
Dreifa-chen der normalen August-Monatsmenge. Die Station
Steinfurt-Burgsteinfurt meldete dabei z.B. 161,7 l/m². Weite
Landstriche, Straßen und tausende Keller standen zeitweise unter
Wasser.

Viele Wolken und kaum Sonne – viele neue Negativrekorde

Die zahllosen Tiefdruckgebiete über Deutschland ließen im August
2010 nur durchschnittlich 143 Stunden Sonne zu. Damit lag man um 27
Prozent unter dem Soll von 197 Stunden. Zahlreiche Stationen
meldeten neue Minusrekorde. Seit Beginn der Aufzeichnungen der
Sonnenscheindauer (1951) war bislang nur der August 2006 trüber.

Das Wetter in den Bundesländern im August 2010
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte)

Schleswig-Holstein und Hamburg: Die Durchschnittstemperatur betrug
in Schleswig-Holstein 16,7°C (16,2°C) und in Hamburg 17,3°C (16,8°
C). Bei der Niederschlagsmenge kam Schleswig-Holstein auf 138 l/m²
(73 l/m²) und Hamburg auf 128 l/m² (69 l/m²). In Schleswig-Holstein
zeigte sich die Sonne 141 Stunden (213 Stunden). Hamburg fehlten mit
einem neuen Minusrekord von 127 Stunden (205 Stunden) 38 Prozent zum
Soll und es belegte damit den vorletzten Rang.

Niedersachsen und Bremen: Für Niedersachsen registrierte der DWD im
August 2010 ein Temperaturmittel von 16,8°C (16,5°C), für Bremen
17,3°C (16,7°C). In Bremen lag die Sonnenscheindauer bei 149 Stunden
(193 Stunden) und in Niedersachsen bei 138 Stunden (193 Stunden).
Bremen war diesmal mit 87 l/m² (70 l/m²) das mit Abstand trockenste
Bundesland, in Niedersachsen fiel mit 138 l/m² (72 l/m²) dagegen
deutlich mehr Regen. Während in Bremerhaven nur eine Monatsmenge von
76 l/m² zustande kam, prasselten in Osnabrück allein am 26. bei
starkem Dauerregen 128 l/m² herunter.

Mecklenburg-Vorpommern: Mecklenburg-Vorpommern war mit
durchschnittlich 17,7°C (16,6°C) das drittwärmste Bundesland. Beim
Sonnenschein blieb es mit 135 Stunden um 39 Prozent unter dem Mittel
(223 Stunden), was einen neuen Negativrekord darstellt. Die
Regenmenge übertraf das Soll (57 l/m²) mit 161 l/m² dagegen um 183
Prozent. In Greifswald lag die Monatssumme bei 265 l/m², das waren
489 Prozent des Solls. Ein Tornado zog am 23. über die Ostseeinsel
Usedom hinweg und verursachte erhebliche Schäden.

Brandenburg und Berlin: Im August 2010 präsentierte sich
Brandenburg mit 18,1°C (17,4°C) als das zweitwärmste Bundesland,
Berlin mit 18,6°C (17,8°C) sogar als das wärmste. Beim Sonnenschein
meldeten sowohl Brandenburg (213 Stunden) als auch Berlin (215
Stunden) nur 150 Stunden. In Brandenburg konnten die Meteorologen
des DWD mit 152 l/m² und 171 Prozent gegenüber dem vieljährigen
Mittel (56 l/m²) einen neuen Niederschlagsrekord für den August
verbuchen. Manschnow meldete eine Monatssumme von 242 l/m² und damit
mehr als das Fünffache (518 Prozent) des Sollwertes. In Berlin fiel
mit 116 l/m² (59 l/m²) zwar mehr als das Doppelte, doch landete die
Bundeshauptstadt damit nur auf dem drittletzten Platz.

Sachsen-Anhalt: Auch Sachsen-Anhalt gehörte mit durchschnittlich 127
l/m² zu den eher trockenen Gebieten. Diese Regenmenge entsprach
jedoch mehr als dem Doppelten des vieljährigen Klimawerts (60 l/m²).
Mit 17,4°C (17,2°C) zählte es zu den wärmeren Bundesländern. Bei der
Sonnenscheindauer erzielte Sachsen-Anhalt mit 124 Stunden (193
Stunden) einen neuen Negativrekord und bildete im Ländervergleich
das Schlusslicht.

Thüringen: Thüringen war mit 16,2°C (16,0°C) das zweitkälteste, mit
163 l/m² (68 l/m²) das drittnasseste und mit 130 Stunden
(195 Stunden) Sonnenschein das drittsonnenscheinärmste Bundesland.


Sachsen: Die Meteorologen errechneten im August 2010 eine
Sonnenscheindauer von 144 Stunden (194 Stunden) und ein
Temperaturmittel von 17,2°C (16,8°C). Die Niederschlagsmenge
erreichte 208 l/m² (78 l/m²), womit Sachsen als nassestes Bundesland
auch einen neuen Regenrekord aufstellte. Niederschlagsreichster Ort
war Bertsdorf-Hörnitz mit einer Monatsmenge von 311 l/m². Allein am
7. kamen hier 101 l/m² herunter. Es folgte ein schweres Hochwasser
der Lausitzer Neiße, wodurch in zahlreichen Landkreisen, wie in
Görlitz, Katastrophenalarm ausgelöst wurde und viele Schulen
geschlossen blieben.

Nordrhein-Westfalen: Im August gehörte Nordrhein-Westfalen mit
durchschnittlich 16,3°C (16,6°C) zu den kälteren Bundesländern und
man registrierte 138 Stunden (183 Stunden) Sonnenschein. Auf dem
Kahlen Asten im Sauerland zeigte sich die Sonne mit 105 Stunden
bundesweit am wenigsten. Mit einer Regenmenge von 183 l/m² (75 l/m²)
kam Nordrhein-Westfalen auf den zweiten Platz. Großen Anteil daran
hatte der starke Dauerregen am 26., der im Münsterland verbreitet zu
Überflutungen führte und z.B. in Ahaus 150,7 l/m² brachte.

Hessen: Der DWD notierte im Schnitt 16,3°C (16,4°C), womit Hessen zu
den kälteren Bundesländern zählte. Mit 145 l/m² überstieg die
Regenmenge das Soll (68 l/m²) um 113 Prozent. Die Sonne schien hier
152 Stunden (191 Stunden). Am Abend des 23. verwüstete ein Tornado
das Dorf Lumda im Landkreis Gießen.

Rheinland-Pfalz: Die Mitteltemperatur traf in Rheinland-Pfalz mit
16,6°C genau das Soll (16,6°C) und die Niederschlagsmenge summierte
sich auf 122 l/m² (68 l/m²). Bei der Sonnenscheindauer rangierte es
mit 168 Stunden (189 Stunden) auf dem dritten Platz.

Saarland: Den Ergebnissen des DWD zufolge war das Saarland im August
2010 mit 110 l/m² (70 l/m²) das zweittrockenste und mit 163 Stunden
(207 Stunden) das sonnenscheinreichste Bundesland. Die Temperatur
lag durchschnittlich bei 16,6°C (16,9°C).

Baden-Württemberg: Für Baden-Württemberg verbuchte man eine
Regenmenge von 135 l/m² (89 l/m²) und ein Temperaturmittel von 16,4°
C (16,4°C). Beim Sonnenschein belegte man mit 162 Stunden (210
Stunden) den zweiten Platz. Rheinfelden am Hochrhein war mit 186
Stunden die sonnenscheinreichste Station Deutschlands.

Bayern: Bayern war mit 16,0°C (16,0°C) das kälteste und mit 181 l/m²
(98 l/m²) das drittnasseste Bundesland. Den deutschlandweit meisten
Regen erhielt Oberstdorf im Allgäu mit 362 l/m². Die Sonne schien im
Mittel 150 Stunden (203 Stunden) lang.

*Alle in dieser Pressemitteilung genannten Monatswerte sind
vorläufige Werte. Die für die letzten drei Tage des Monats
verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss
standen nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur
Verfügung.

(Presseinfo: Deutscher Wetterdienst Offenbach vom 30.08.2010)

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