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Stadtkreis Freiburg - Freiburg

27. Jan 2012 - 15:27 Uhr

Kirchendiener mit Bibel und Motorrad: Nach zweieinhalb Jahrzehnten ging Hermann Junginger in Ruhestand

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(gh). Als Hermann Junginger sich in den 80er Jahren sich bei der evangelischen Kirche bewarb wurde noch seine Frau zu den beiden Vorstellungsgesprächen mit eingeladen. Die Kirchenältesten der damaligen Ludwigsgemeiden Süd und Nord wollten wissen, wem sie die Stelle geben und wer in leerstehende Pfarrwohnung neben dem Gemeindehaus einzieht. „Wir saßen beim Bewerbungsgespräch vor zwanzig Leuten, das war schlimmer als wenn ein Bischof ausgesucht wird“, erinnert sich der 62-Jährige schmunzelnd. Angestellt wurde aber nur er. Als Kirchendiener und Hausmeister für die Ludwigskirche in der Starkenstraße und des Gerhard-Ritter-Hauses, damals noch in der Hauptstraße, nahm er dann seine Arbeit auf. Am vergangenen Sonntag wurde Hermann Junginger nach zweieinhalb Jahrzehnten Dienst, in einem festlichen Gottesdienst in „seiner“ Ludwigskirche von Pfarrerin Folkers, dem Ortsältestenkreis und vielen Gästen in den Ruhestand verabschiedet.

Heute gehöre er zu einer „aussterbenden Spezies“ meint er. Denn Kirchendiener mit einer vollen Stelle, die nur an einer Kirche tätig sind gibt es in Freiburg bald nicht mehr. Zu den wichtigsten Aufgaben eines Kirchendieners rechnet Junginger denn auch die Präsenz. „Ich war wie ein Landwirt der sich 24 Stunden um seinen Hof kümmert“. Für viele sei er so der erste Ansprechpartner in Sachen Kirche gewesen, vor allem für diejenigen für die „die Schwelle zum Pfarrer zu hoch war“.
Zum „Hof“ des gelernten Gas- und Wasserinstallateurs gehörten neben der fast 60 Jahre alten reizvollen Kirche in Herdern und dem Kirchturm auch das Gemeindehaus, früher auch der Kindergarten, sowie in den letzen Jahren auch das Gemeindezentrum der Thomaskirche in Zähringen.

Der Alltag, das war die Räume richten , die Küche pflegen, hier und da mal eine kleine Reparatur mit eigenen Mittel bewerkstelligen, den Winterdienst durchführen, das große Gelände mit fünf großen Laubbäumen versorgen und vieles mehr. Von morgens bis zum späten Abend. Zu Beginn der Woche ging’s häufig etwas ruhiger zu „das wurde dann zum Wochenende hin stets intensiver“. Samstag und Sonntag war Dienst die Regel. Seine Arbeitszeit konnte der leidenschaftliche Pfeifenraucher und Elvis-Fan sich dabei zum größten Teil frei einteilen. Ein Vorteil den er auch genoss.

War er auf seinem Kirchhof stets Gegenwärtig so hielt er sich in der Kirche während des Gottesdiensts am Sonntagmorgen im Hintergrund. „Da war ich nur zu sehen wenn das Mikrofon kaputt war“. Er kümmerte sich, dass die Liedtafel richtig bestückt war, die Altarkerzen brannten und an Weihnachten, dass der bis zu acht Meter hohe Christbaum sicher stand und die Lichter schön funkelten. Ein besonderes Anliegen war ihm die Sakristei. „Die hab ich verteidigt, dass der Raum nicht als Kammer missbraucht wurde“. Regelmäßig brannte eine Kerze vor und während des Gottesdienstes in dem Raum, wo sich die Geistlichen zurückziehen, um sich vorzubereiten und innerlich zu sammeln. Und die Pfarrerinnen und Pfarrer haben es ihm gedankt, „Hier fühlt man ich richtig eingeladen“, hat mal einer gesagt. Bis heute ist er denn auch ein bisschen Stolz über den auffallend guten Gottesdienstbesuch, den es in der Ludwigskirche ganz selbstverständlich gibt.

In der Vergangen Woche ist er mit seiner Frau Sigrid nach Denzlingen umgezogen. Denn auf dem Platz des ehemaligen Kirchendienerhauses steht inzwischen das neue Gerhard-Ritter-Haus, in dem das Pfarramt und das Landeskantorat eingezogen ist. Am neuen Wohnort freut er sich erstmal auf die Ruhe, wenn „niemand mehr an der Haustür klingelt“ und er endlich Zeit hat die großen kirchlichen Feiertage auch als Privatperson zu feiern. „Wahnsinnig“ freut er sich auf das neue Stehpult, das er zum Abschied von der Gemeinde als Geschenk erhielt. Darauf legt er dann seine Hausbibel, denn „die Bibel möchte ich im Stehen lesen“. Und er freut sich auf sein Motorrad. Mit seiner schweren Maschine war er immer wieder mal ab und zu eine Stunde in den Schwarzwald gefahren. „Da konnte ich alles hinter mir lassen“, sagt er und lacht.

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Im Zuge des von der Stadtsynode verabschiedeten Personalkonzepts zur Haushaltssicherung müssen die Kirchendiener und Hausmeister künftig in mehreren Kirchen und Gemeindehäusern einer Pfarrgemeinde tätig sein. Dies ist möglich weil einerseits die zu pflegenden Raumflächen reduziert und sie andererseits durch Reinigungsfirmen und andere Dienstleister unterstützt werden.

(Presseinfo: Evangelische Kirche in Freiburg, Günter Hammer, Pressesprecher vom 27.01.2012)

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