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25. Jan 2012 - 16:32 Uhr

Selbstständig zum Abitur: SchülerInnen von methodos e.V. bereiten sich ohne Schulunterricht auf die Prüfungen vor

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Abitur ohne Klausuren, Leistungsdruck und Stress mit Lehrern: Für viele eine traumhafte Vorstellung. Für die 12 Schülerinnen und Schüler des Vereins „methodos e.V.“ ist diese Vorstellung Realität. Selbstständig – auf Grundlage des baden-württembergischen Lehrplans, aber ohne Bevormundung durch Schule oder Lehrer – organisieren sie ihren Bildungsweg zur allgemeinen Hochschulreife.

Die Gründe, die die 12 dazu gebracht haben, dem traditionellen Schulbetrieb den Rücken zu kehren, sind vielfältig. „Ich habe an einer Waldorfschule die Fachhochschulreife erworben und mich danach entschieden, auch noch das Abitur zu machen – aber ich wollte einfach nicht in diesen alten Strukturen bleiben und noch ein vierzehntes Schuljahr anhängen“, erklärt Raju . Von Problemen mit Lehrern auf staatlichen Schulen, die ihr trotz nachweislich hohem IQ einreden wollten, ihre Intelligenz sei für das Abitur nicht ausreichend, erzählt dagegen Theresia. Ob nun solche Erfahrungen der ausschlaggebende Faktor zum Wechsel zu methodos waren oder nicht – von einem spürbar anderen Lehrer-Schüler-Verhältnis erzählen alle.

Das fängt damit an, dass anders als im konventionellen Schulunterricht die Lehrer nicht gesiezt, sondern geduzt werden. An sich nur ein Detail, ist diese Tatsache symptomatisch für den Umgang zwischen methodos-Schülern und ihren Lehrern: man trifft sich auf Augenhöhe. „Weil sie uns nicht benoten, haben die Lehrer auch kein Mittel, mit dem sie uns unter Druck setzen könnten.“ Im Gegenteil: Der Verein, und damit die SchülerInnen selbst, ist ihr direkter Arbeitgeber. „Und bei manchen habe ich das Gefühl, sie fiebern richtig mit uns mit und sagen uns: ´Hey, das musst du dir noch mal anschauen´ oder ´Das klappt noch nicht so richtig´“, erklärt Clara. Viele der Lehrkräfte seien pensionierte Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihrem Beruf, wie sie ihn früher kannten, auf die eine oder andere Weise nicht ganz zufrieden gewesen seien, fügen die Schüler von methodos e.V. hinzu. Voraussetzung für die Beschäftigung durch den Verein sei ein Lehramtsstudium zwar nicht, oft aber sinnvoll. Schließlich sollen die Stunden, die sie ihren Schülern erteilen, trotz allem auf die staatlich anerkannte allgemeine Hochschulreife vorbereiten.

Erworben wird diese an regulären Gymnasien in Freiburg, denen die SchülerInnen als „externe“ Prüflinge zugewiesen werden. Dort legen sie dieselben Prüfungen ab, wie sie auch „reguläre“ AbiturientInnen zu bestehen haben – zusammen mit einer Reihe an zusätzlichen mündlichen Pflichtprüfungen, um den Wegfall der während der Oberstufe normalerweise abgelegten Klausuren auszugleichen. Und vielleicht, das schwingt in den Erklärungen mit, auch um dem unabhängigen Abitur etwas von seinem Reiz zu nehmen. „Bildung selbst gestalten“, so das Motto des Vereins, werde aber inzwischen einfacher, erklären die SchülerInnen. So gebe es inzwischen nicht mehr die Regelung, nach dem Abgang von der regulären Schule erst ein Jahr „pausieren“ zu müssen, bevor man überhaupt zum externen Abitur zugelassen werde. Heute gehe das schneller: man werde als ExterneR einer Schule zugewiesen, der es dann zufalle, mit einem in Kontakt zu treten. Dieser Kontakt besteht während der gesamten Vorbereitungszeit, sodass Fragen zum Prüfungsgeschehen mit der Schule abgeklärt werden können.

Ist methodos also im Grunde die Fortführung des Schulunterrichts mit anderen Mitteln? Kleinere Klassen, weniger Machtgefälle zwischen Schüler und Lehrer, aber im Grunde nach demselben Prinzip strukturiert wie die herkömmliche gymnasiale Oberstufe? Nein, soviel wird klar, als die SchülerInnen ihr derzeitiges Unterrichtskonzept genauer erläutern. Im ersten Halbjahr habe der Unterricht tatsächlich nach einem ähnlichen Muster funktioniert wie der Schulunterricht, mit einem regelmäßigen Wechsel an Fächern, hauptsächlich abgedeckt durch „Lehrerstunden“. Das sei aber nicht die Art und Weise gewesen, wie sie die Zielgerade zum Abitur meistern wollten. „Was wir an Eigenarbeit hatten, war hauptsächlich eine Nachbereitung der Lehrerstunden. Das wollten wir ändern, darum bereiten wir uns jetzt nach dem Blocksystem vor.“ Was bedeutet: in dieser Woche wird Mathematik besonders intensiv bearbeitet. In der nächsten Woche ist Geschichte an der Reihe, Deutsch und Englisch waren in den letzten Wochen Schwerpunktthemen. In diesen vier Fächern müssen alle methodos-SchülerInnen eine Abiturprüfung ablegen, darüberhinaus hat jedeR eigene Schwerpunktfächer.

Dass die Fächer in den Prüfungen vorgeschrieben sind, bedeutet jedoch keine Anwesenheitspflicht während der Vorbereitung. Im Gegenteil: „Jeder kann für sich selbst bestimmen: an was nehme ich teil, was möchte ich noch in die Gruppe tragen?“, erläutert Clara. Auch in anderer Hinsicht sind viele Regeln des schulischen Betriebs aufgehoben: es darf während des Unterrichts gegessen und getrunken werden, die Redefreiheit mit NebensitzerInnen wird ausführlich genutzt – hauptsächlich, um sich gegenseitig beim Meistern der Aufgaben zu unterstützen. So viel Freiheit will natürlich verantwortlich genutzt werden – und kann in der ersten Zeit gewöhnungsbedürftig sein: „Am Anfang hatte ich richtig Probleme damit, etwas anderes als eine klassische Lehrperson in der Person vor mir zu sehen, oder sogar damit, mein Handy auf dem Tisch liegen zu lassen“, gibt Raju zu.

Auch über den Lernaufwand hinaus ist methodos nicht die „einfache Lösung“ für alle, die sich auf dem Weg zum Abitur einige Prüfungen ersparen möchten. Denn zum Unterricht kommen wöchentlich mehrere Stunden Organisations- und Besprechungszeit, während der die Anwesenheit aller Mitglieder ausdrücklich gefordert ist. Neben Fragen zur Gestaltung des Lehrplans sind die Angelegenheiten des seit 2007 bestehenden Vereins zu regeln: Öffentlichkeitsarbeit und Finanzierung, denn die Ausgaben, die methodos für Lehrkräfte entstehen, werden durch Spenden, hauptsächlich von Firmen, abgedeckt.

Und was kommt nach dem Abitur? Die SchülerInnen von methodos haben die unterschiedlichsten Vorstellungen. Für einige steht das Wunsch-Studienfach bereits fest, andere wissen noch nicht genau, für welche Richtung sie sich entscheiden – und ob ein Studium überhaupt den richtigen Weg für sie darstellt. Denn nach der bei methodos genossenen Freiheit fällt es schwer, in das verschulte Bologna-System zu wechseln. Über eines aber sind sich viele von ihnen einig: Wenn die Prüfungen bestanden sind, wollen sie erst einmal reisen. Die Welt sehen, neue Dinge kennenlernen, und ihren eigenen Weg weitergehen.

Weitere Informationen zum Verein gibt es unter http://methodos-ev.org/ oder beim Tag der offenen Tür am kommenden Sonntag, dem 29.1.2012, im Haus der Jugend (Uhlandstraße 2).

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