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30. Jan 2012 - 16:08 Uhr

Erfolgreiches Jahr: Das Handwerk im Kammerbezirk Freiburg verzeichnete 2011 einen deutlichen Aufschwung - Positiver Ausblick für 2012

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Beim Handwerk zeigt die Kurve steil nach oben. Das wurde bei der Jahrespressekonferenz der Handwerkskammer für den Bezirk Freiburg heute morgen deutlich. Der Umsatz aller Handwerksbetriebe zusammen legte um 7,5 Prozent auf 8,75 Milliarden zu. Die Anzahl der Betriebe wuchs um 137 von 15.558 im Jahr 2010 auf 15.695 im Jahr 2011. Außerdem stieg die Zahl der Beschäftigten um zwei Prozent auf gut 101.000 Menschen. “Diese Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache,” so Handwerkskammerpräsident Paul Baier. Es gelte nun, den Schwung aus dem vergangenen Jahr in das Jahr 2012 mitzunehmen.

Dennoch ist natürlich nicht alles in trockenen Tüchern. Die von der Bundesregierung verkündete Energiewende in Folge des Reaktorunglücks von Fukushima, so Baier weiter, biete dem Handwerk zwar alle Vorraussetzungen, als Konjunkturprogramm zu wirken. Handwerksbetriebe müssten aber auch die Energiekosten im Blick behalten. Außerdem gelte es dem drohenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken. Das Handwerk bilde zwar in hohem Umfang aus. Der Markt für Ausbildungsanwärter werde aber von der Industrie leergefegt, die zumindest in einigen Branchen mit attraktiveren Arbeitszeiten und Löhnen punkten könne. Ausgebildete Fachkräfte aus dem Handwerk würden zunehmend abgeschöpft.

Wie der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Freiburg, Johannes Burger, erläuterte, gibt es im Kammerbezirk Freiburg zudem eine Reihe von Herausforderungen, die sich aus der Lage im Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Schweiz ergeben. Als Beispiel nannte Burger die Kautionsverpflichtung für deutsche Handwerker in der Schweiz und die Bauhaftpflicht “Garantie Decenale”, die in Frankreich für ausländische Anbieter im Baugewerbe verpflichtend ist. Hier sei die Handwerkskammer in Gesprächen mit den politisch Verantwortlichen. Außerdem seien in Zusammenarbeit mit der Sparkassen und Volksbanken entsprechende Versicherungsprodukte entwickelt worden, die den Anforderungen der Nachbarstaaten genügen sollen.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken hat das Handwerk im Kammerbezirk im letzten Jahr 2.464 neue Lehrlinge in Ausbildung genommen. Außerdem konnten 446 Jungmeister ihren Meisterbrief entgegennehmen. Daneben bietet die Handwerkskammer in ihrer Gewerbeakademie aber auch Aus- und Weiterbildung sowie Maßnahmen zur Berufsorientierung an. Die Gesamtteilnehmerstunden summierten sich dabei auf rund 1,05 Millionen Einheiten. Um Gebäude und Ausbildung auf dem neuesten Stand zu halten, wurden rund 5,3 Millionen Euro investiert, die zum Teil von Bund und Land, zum Teil von der Handwerkskammer stammen. Als Beispiele für Investitionen nannte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, Rainer Botzsch, den vierten Bauabschnitt der Gewerbeakademie in Freiburg sowie das an der Gewerbeakademie angesiedelte Demozentrum für “Thermische Kühlung”.

Aktiv war im vergangenen Jahr auch die Fördergesellschaft der Handwerkskammer, wie der Geschäftsführer der HWK für berufliche Bildung, Werner Gmeiner, deutlich machte. Die deutschlandweit bislang einzigartige Gesellschaft organisierte und finanzierte 31 Projekte, bei denen rund 4.400 junge Menschen in Zusammenarbeit mit 3.900 Betrieben Unterstützung bei der Berufsauswahl oder -Vorbereitung erhielten. Dazu kommen zwölf Projekte der “Zukunftswerkstatt” unter Federführung von Wolfram Seitz-Schüle, bei denen neben Berufsorientierung auch Fragen wie die Energieversorgung der Zukunft, der demographische Wandel und soziale Aspekte thematisiert wurden.

Öffentlichkeitswirksam präsentiert hat sich die Handwerkskammer gleich mit mehreren Kampagnen. Zum einen mit der “Freiburger Erklärung 2.0“, die bundesweit wahrgenommen wurde. Mit diesem “Denkanstoß” forderte die Handwerkskammer Freiburg die Energiewende von unten - regional und dezentral und damit eine Abkehr von der bisherigen Energiepolitik der Bundesregierung, bei der im Wesentlichen auf Großversorger mit Großanlagen gesetzt wurde. Außerdem soll, der Erklärung zufolge, die Politik künftig auf einen Mix aus allen Arten regenerativer Energiegewinnung setzen und die Anstrengungen bei Energieeffizienz verstärken. Auf großes Interesse stießen aber auch die Kampagnen “Gründerinnenjahr 2011“, die Frauen für Führungsaufgaben im Handwerk begeistern sollte und die breit angelegte Imagekampagne “Die Wirtschaftsmacht von nebenan”.

Für 2012 stehen bei der Handwerkskammer auch weiterhin die Energiewende, die Fachkräftegewinnung und das Wirtschaften über Grenzen hinweg im Vordergrund. Als zusätzlichen Schwerpunkt nannte Burger das Thema Unternehmenssicherung und Unternehmensnachfolge. Außerdem beteiligt sich die Handwerkskammer an der GETEC 2012, der Messe für Gebäude, Energie und Technik auf dem Gelände der Messe Freiburg. Und selbstverständlich gibt es auch wieder viele Maßnahmen, um Berufseinsteiger zu orientieren sowie zu informieren und um Berufswiedereinsteiger und vor allem -einsteigerinnen zu qualifizieren.

Zum Abschluss gab es von Handwerkskammerpräsident Paul Baier und Hauptgeschäftsführer Johannes Burger noch eine Zusammenfassung der Wünsche an die Politik: So dürfe es im Jahr 2012 bei der Konkurrenz zwischen Handwerk und Energieversorgern keine Verschiebung zu Lasten des Handwerks geben. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dürfe nicht ständig in Frage gestellt werden, um Betrieben Planungssicherheit zu bieten - und die Möglichkeit neue Mitarbeiter längerfristig fest einzustellen.

Die Attraktivität der neuen Gemeinschaftsschule müsse hergestellt und für die Berufsvorbereitung in Werkrealschulen müssten klare Alternativkonzepte entwickelt werden. Bei der grenzüberschreitenden Ausbildung müsse eine stärkere finanzielle Beteiligung Frankreichs eingefordert werden. Außerdem gelte es, das Kautionsthema beim Handwerken in der Schweiz weiterhin auf EU-Ebene anzugehen. Wie warb einst ein globaler Ölkonzern: “Es gibt viel zu tun, packen wir`s an.”

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