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Kreis Emmendingen - Waldkirch

18. Aug 2010 - 14:34 Uhr

1 BBBB >> 200 Jahre Spieluhren bis zu Urgroßvaters Plattenspieler: Ausstellung von Spieluhren aus ganz Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden vom 5.9. bis 31.10. in Waldkirch - Spieluhren für Könige und Maharadschas – Noch nie da gewesene Sammlun

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Waldkirch (swb). Spieluhren für Könige und Maharadschas aber auch für die Bevölkerung. Seltene und hochwertige Tonwerke aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz: von kleinen faszinierenden Musikdosen, Lochplattenspieler bis hin zu großen Musikschränken. Die Ausstellung „Musikalische Romanzen – von der Spieluhr bis zu Urgroßvaters Plattenspieler“ bietet im Elztalmuseum Waldkirch vom 05.9. bis 31.10.2010 einen Querschnitt über 200 Jahre Entwicklung der Spieluhren. Einzigartig in der Welt, schwärmt der GSM-Vorsitzende Ralf Smolne (Essen). Abgerundet wird die Ausstellung mit einem Begleitprogramm mit Führungen, Schlemmen, Konzerten und einem Thementag über die Walzenspieluhr.

Zauberhafte Klänge dringen an unser Ohr. Ganz zart und fein. Erinnerungen werden wach. Spieluhren, Spieldosen, filigrane Klänge in Schmuckdosen, klangvolle Musiktruhen und Uhrenschränke. Die Spieluhr hat viele Gesichter. Seit mehr als zweihundert Jahren sind diese kleinen und großen Schatzkästlein ein allgegenwärtiger Begleiter durch den Alltag. Vom Kinderspielzeug bis zum Luxusobjekt; reizenden Puppenautomaten und klimpernden Souvenirs bis hin zu klangvollen Musikautomaten. Einen noch nie da gewesenen Überblick zeigt die Sonderausstellung im Waldkircher Elztalmuseum „Musikalische Romanzen – von der Spieluhr bis zu Urgroßvaters Plattenspieler“ vom 5.9. bis 31.10.2010 mit einem interessanten Begleitprogramm.

Ralf Smolne (Essen), der Vorsitzende der „Gesellschaft für Selbstspielende Musikinstrumente e.V.“ (GSM) kommt richtig ins Schwärmen. Die in Waldkirch ausgestellten Exponate seien einzigartig in der Welt, kein anderes Museum könne solch eine Qualität dieser besonderen Art von mechanischen Musikinstrumenten vorweisen. Einstige Bestände von Königen und Maharadschas konnten durch private Sammlungen gesichert werden. Kein Wunder lag der Wert eines wertvollen Stückes schon damals in Höhe eines Hauses oder mehrfachen Lehrergehaltes. Teilweise haben die Sammler überhaupt zum ersten Male ihre hochwertigen und kostbaren Stücke hergegeben, betont der GSM-Vorsitzende.

Aus Holland und der Schweiz
Von überall, aus Holland und Schweiz werden die mit einem Tonkamm und Stahllamellen versehenen Tonträger in die Orgelstadt Waldkirch verfrachtet und dies zum großen Teil auf ehrenamtlicher Basis. Es sei ein Riesenaufwand, so die Museumsleiterin Dr. Evelyn Flögel. Die Instrumente kommen beispielsweise aus Utrecht (Nationalmuseum), Amsterdam, dem schweizerischen Seewen (Musikau-tomatenmuseum) und Oetwil, aus Bruchsal (Deutsches Musikautomatenmuseum), Marburg, Fürth, Rüdesheim, von zahlreichen Privatbesitzern oder wie der Berliner Kurt-Niemuth-Stiftung mit Werken aus Triberg.

Anforderungen an die technische Entwicklung
Die Ausstellung spiegelt die über 200-jährige Entwicklung wider. Ralf Smolne gibt einen Querschnitt und Einblick in die Welt der Spieluhren und erinnert an die Anfänge. Im ausgehenden 18. Jahrhundert waren sowohl im Schwarzwald als auch im Schweizer Jura findige Tüftler und Uhrmacher am Werk, die mit Kreativität und Gespür feinmechanische Lösungen für Gebrauchsgegenstände mit automatisch spielender Musik anreicherten. So erfand im Jahre 1796 der Schweizer Antoine Favre die klingende Stahl-Lamelle. Durch das Drehen von bestifteten Walzen wurden wie eine Klaviatur angeordnete Stahlzungen angestoßen und erzeugten dadurch Schwingungen und damit Töne. Je kürzer der Stahlkamm war desto höher der Ton; es war also Feinarbeit gefragt. Diese künstlich erzeugte Musik, im Gegensatz zu den mit Pfeifen versehenen Orchestrien und Jahrmarktorgeln, nahm nun eine rasante Entwicklung.
Ralf Smolne machte zusammen mit Orgelbauer und Hauptorganisator Raphael Lüthi von der Orgelbauwerkstätte Paul Fleck Söhne (Waldkirch) richtig Appetit, zeigte und spielte schon einige der kostbaren Schätze. Seine Augen glänzten, als er aus dem Jahre 1815 ein unscheinbares Schmuckstück mit eingebautem Musikwerk vorführte, eines der ältesten Spielwerke überhaupt. Interessant seine Geschichten am Rande; solche Schmuckstücke dienten einst Napoleon als Ge-schenke für seine Offiziere. Die industrielle Entwicklung setzte nicht nur in Deutschland sondern auch in Prag, Wien und vor allem in der Schweiz ein. Die Optik mit dem Gehäuse, ja selbst die Holzart spielten eine immer größere und wichtigere Rolle. Schließlich kauften die Abnehmer wie auch mit dem Auge mit.

Austauschbare Notenscheiben und Blechplattenspieler
Einen entscheidenden Sprung gab es 1880 als die Stiftswalzen mit mehreren verstellbare Spurreihen kamen. Durch weitere auswechselbare Stiftswalzen und somit mehr Liedauswahl wurden die mechanischen Musikinstrumente attraktiver. Der Einsatz von Blechscheiben ermöglichte endlich eine unendliche Vielzahl von Liedern. Die Blechplattenspieler ihren austauschbaren Notenscheiben eroberten schließlich den Weltmarkt. Fabriken und Manufakturen in der Schweiz und Leipzig boomten und erlebten eine Blütezeit.

Die Werke wurden immer größer. Glockenspielwerke, Tischuhren und Uhrenschränke entstanden. Große Musikautomaten hielten Einzug in den Gasthäusern, Vorläufer der Jukebox. Ein wunderbares Beispiel aus dem Jahre 1895 muss man in der Waldkircher Ausstellung unbedingt gesehen haben. Neben der Musik auf den stählernen Plattenscheiben war ein Pferderennen in Miniaturform die Attraktion. Auf die vor den Augen vorbeireitenden Pferde konnte sogar gewettert werden, verriet der GSM-Vorsitzende. Für Große und Kleine war dies im Gasthaus ein Hör- und Klangmagnet. Viele große und kleine Spieluhren gibt es zu bestaunen: Taschenuhren, Tabakdosen, Schmuckdosen mit Figurenautomaten und Glockenspiele, Trinkgefäße, Puppenautomaten, Kinderspielzeug und Souvenirs, Lochplatten, Musiktruhen, die Bandbreite wird riesig sein. Natürlich dürfen einige exotische Stücke nicht fehlen. Wer weiß schon, dass ein Garderobenständer ein Musikwerk sein kann. Die Fabelfigur „Wolpertinger“, halb Hase, halb Fuchs, dient als Aufhänger. Sobald eine Jacke oder Hut aufgehängt wird, ertönt Musik. Ein absolutes Kuriosum, auf das Smolne ganz stolz blickt, ist ein auf dem Boden stehendes Reiseklo mit Wasserspülung – doch man höre und staune: mit eingebautem Spielwerk.

Begleitprogramm und Schlemmen
Warum ausgerechnet in Waldkirch? Die 1975 gegründete gemeinnützige „Gesellschaft für Selbstspielende Musikinstrumente“ (GSM) hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Kulturgut mit ihrer Musik zu erforschen, zu bewahren und zu verbreiten. Mit etwa 600 Mitgliedern aus dem In- und Ausland ist die GSM sowohl für Museen, Bibliotheken und musikwissenschaftliche Institute, für Sammler, Drehorgelspieler und Schausteller eine wichtige Institution geworden. Da Waldkirch mit OB Richard Leibinger als Orgelstadt und als Zentrum der Dreh- und Jahrmarktorgeln gilt, lag es für die GSM nahe, hier einmal anzuklopfen.

Ralf Smolne, Raphael Lüthi und Dr. Evelyn Flögel sind sich einig. Es ist eine einzigartige Ausstellung im Entstehung, die es so noch nicht gegeben hat. Ein Begleitprogramm mit Führungen, Werkstätten, Vorträgen und Konzerten runden die Ausstellung ab. Den ganzen Monat Oktober widmen sich die „Waldkircher Orgelköche“ im Rahmen der jährlichen Orgelschlemmerwochen diesem Thema, wenn es heißt „„Spieluhren à la carte“ - Ein musi(k)ulinarischer Ausflug in die romantische Welt klimpernder Bierkrüge und zauberhafter Musikautomaten“. Ausklingender Höhepunkt ist ein Thementag zur „Faszination Walzenspieluhr“ am 30. und 31. Oktober 2010. Jeder ist eingeladen, der zuhause eine Spieluhr hat und Näheres darüber noch wissen möchte.

Das Begleitprogramm

- Führungen, Hör- und Klangproben
- Öffentliche Führungen mit Hörproben an den Sonntagen jeweils um 14.00 Uhr:
am 12. u. 26. September, 10., 17. und 24. Oktober (Dauer, etwas über 1 Stunde, gesonderter Eintrittspreis)
- Sonderführungen für Gruppen nach Voranmeldung möglich (mindestens acht Personen).
- Während den normalen Ausstellungszeiten bekommen die Besucher durch geschultes Aufsichtspersonal auf Wunsch einzelne Instrumente vorgeführt.

- Konzert „Sehnsucht nach Harmonie“
Sonntag, 5. September um 15.00 Uhr
Höhepunkte am Spieluhrenhimmel – mit Walter Behrendt

- Workshop „Das Pling-Plong und seine Musik“
Samstag, 18. September um 14.00 Uhr
Musikalische Experimente für Musikfreunde aller Altersklassen, mit H.M. Meyer-Georges

- Vortrag „Spieluhren – Wunderwerke der Technik“
Samstag, 2. Oktober um 15 Uhr
Einführung in die technische Entwicklung der Spieluhr, mit Ralf Smolne

- Thementage „Faszination Walzenspieluhr
Samstag und Sonntag, 30. und 31.10.
Zuordnung mitgebrachter Instrumente; Vorträge und Diskussionsrunden für Jedermann.
Veranstalter: Gesellschaft für Selbstspielende Musikinstrumente e.V. Anmeldung erwünscht.

Unkostenbeitrag
Für alle Veranstaltungen wird ein Unkostenbeitrag erhoben

Weitere Angebote

- Museumspädagogisches Programm

- Waldkircher Orgelschlemmerwochen „Spieluhren à la carte“ vom 1. - 31. Oktober 2010
Begleitet wird die Sonderausstellung im Oktober von den 12. Orgelschlemmerwochen. Das Motto lautet: Spieluhren à la carte - Ein musi(k)ulinarscher Ausflug in die romantische Welt klimpernder Bierkrüge und zauberhafter Musikautomaten“. Dabei servieren die Waldkircher Orgelköche ihre Spezialität, den "Waldkircher Orgelteller“. Weitere Informationen unter www.orgelwelt-waldkirch.de.

(Presseinfo: Hubert Bleyer, Stadtverwaltung Waldkirch vom 18.8.10)

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