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Stadtkreis Freiburg - Freiburg

12. Jul 2018 - 14:37 Uhr

Versickern und verdunsten lassen - Menschen in Freiburg schätzen einer Studie zufolge Maßnahmen zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung

Versickern und verdunsten lassen - Menschen in Freiburg schätzen einer Studie zufolge Maßnahmen zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung 
Freizeitnutzung einer öffentlichen Versickerungsanlage im Freiburger Stadtteil Wiehre

Foto: Florenz König
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Für den Umgang mit Regenwasser in der Stadt gibt es eine umweltfreundlichere Alternative zur Ableitung in die Kanalisation: Es kann in den Boden versickern oder auf Gründächern zurückgehalten werden und verdunsten. Doch akzeptiert die Bevölkerung solche Maßnahmen zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung? Mit dieser Frage hat sich eine Forschungsgruppe um Lisa Bannert und Prof. Dr. Tim Freytag vom Institut für Sozialwissenschaften und Geographie der Universität Freiburg am Beispiel der Städte Freiburg, Hannover und Münster befasst. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass die Zufriedenheit mit Gründächern und Versickerungsmulden bei Menschen, die entsprechende Anlagen nutzen oder in deren Umgebung leben, besonders hoch ist. In Freiburg sind Gründächer im Vergleich zu den beiden anderen Städten weit verbreitet und beliebt – und ökologische Aspekte wie Stadtklima und Umweltschutz sind den Befragten wichtiger als finanzielle Vorteile.

Die naturnahe Regenwasserbewirtschaftung strebt in Siedlungsgebieten einen Wasserhaushalt an, der dem unbebauten, natürlichen Zustand möglichst nahekommt. Gründächer beispielsweise halten einen großen Teil des Regenwassers zurück und geben ihn zeitverzögert durch Verdunstung wieder ab. Dies wirkt sich positiv auf das städtische Mikroklima aus. Zudem führt die Vegetation von Gründächern zu einer Steigerung der Artenvielfalt von Flora und Fauna. Gleiches gilt für Versickerungsmulden, die zusätzlich dafür sorgen, dass sich mehr Grundwasser lokal neu bilden kann. Dabei wird ein Großteil der Schadstoffe bei der Passage durch den belebten Oberboden gefiltert und teilweise von Mikroorganismen zersetzt. Außerdem sind sie für weitere Nutzungen geeignet, etwa als Regenrückhaltebecken, Spiel- und Sportplatz oder Park. Bei der konventionellen Entwässerung dagegen wird das Regenwasser, das auf den versiegelten Oberflächen der Siedlungen nicht versickern kann, in die Kanalisation sowie in Bäche und Flüsse abgeleitet. Dies erfordert den aufwändigen Bau von Kanalnetzen für große Wassermengen. Die Abflüsse sind oft unbehandelt, sodass Schadstoffe wie Motoröl, Brems- und Reifenabrieb oder Schwermetalle in die Gewässer gelangen. Zudem ist bei Starkregen das Überflutungsrisiko erhöht, weil die Kanalisationen volllaufen sowie Bäche und Flüsse über die Ufer treten können.

„Ein zentrales Ergebnis ist, dass sowohl bei öffentlichen und privaten Versickerungsmulden als auch bei Gründächern die Akzeptanz deutlich höher ist, wenn eine entsprechende Anlage vorhanden ist“, sagt Freytag. 97 Prozent aller Befragten, die ein Gründach besitzen, bewerten dieses positiv – gegenüber 78 Prozent bei Haushalten, die keines haben. Im Vergleich zu Münster und Hannover sind Gründächer bei der Freiburger Bevölkerung deutlich bekannter und beliebter. Bei den Versickerungsmulden sprechen sich mehr als die Hälfte der Befragten für eine multifunktionale Nutzung aus. Diese wiederum steigert die Akzeptanz: Menschen, die solche Anlagen in der Freizeit nutzen, bewerten sie ausgesprochen positiv. Ein Beispiel aus Freiburg befindet sich in der Nähe vom Alten Wiehrebahnhof: „Die Anlage bietet attraktive Sitzgelegenheiten und wird im Sommer zum Kaffeetrinken und Sonnenbaden genutzt, während die Muldenböschung im Winter als Schlittenhang dient.“

Zudem zeigt sich, dass die Befragten auf ökologische Aspekte achten: Mehr als drei Viertel stimmen der Aussage zu, dass Regenwasseranlagen wichtig für das Stadtklima sind. Ökologische Gründe sind vor finanziellen Vorteilen die wichtigste Motivation für die Einrichtung einer Anlage auf dem eigenen Grundstück. „Ein Grund könnte auch darin liegen, dass die finanziellen Anreize kaum bekannt sind“, erklärt Bannert. „Nur ein Drittel der Befragten kennt die gesplittete Abwassergebühr, mit der man bei einer naturnahen Regenwasserbewirtschaftung einen Teil der Gebühren sparen kann.“

Hintergrundinformationen:
Im Forschungsprojekt „Wasserhaushalt siedlungsgeprägter Gewässer“ (WaSiG), gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Thema „naturnahe Regenwasserbewirtschaftung“ am Beispiel von Freiburg, Münster und Hannover untersucht. Sie haben Daten aus 1.613 Haushalten erhoben und ausgewertet, um die Akzeptanz entsprechender Maßnahmen zu ermitteln. Die Projektleitung lag bei der Fachhochschule Münster, von der Universität Freiburg waren Teams der Humangeographie und der Hydrologie beteiligt. Partner aus der Praxis waren unter anderem das Umweltschutzamt Freiburg und private Ingenieurbüros.
www.fh-muenster.de/forschungskooperationen/wasig/index.php.

(Presseinfo: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 12.07.2018)

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